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Stand: 12. Dezember 2003 | |
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Tagebau
und Rekultivierung bei der
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Gliederung:
Einleitung
Am Freitag, dem 23. August 2002 besichtigten die Mitglieder des Arbeitskreises Umwelttechnik des VDI Bezirksvereins Braunschweig den Tagebau Schöningen und den bereits rekultivierten Tagebau Wulfersdorf bei Schöningen. Die Herren Schober und Alpers von der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerk AG (BKB) erklärten sich freundlicherweise bereit unsere Gruppe zu führen (vgl. Abb. 1). Zuvor hielt uns Herr Schober einen interessanten Vortrag über die Geschichte der BKB, den er eindrucksvoll mit zahlreichen Daten und Fakten unterlegte.
Abb. 1: Mitglieder des VDI AK Umwelttechnik mit den Herren Schober und Alpers (6. und 7. v.l.)
Historische Entwicklung
Die Geschichte des Braunkohlebergbaus im Helmstedter Revier reicht zurück bis zum Jahre 1725, in dem der erste Braunkohlefund im damaligen Herzogtum Braunschweig gemacht wurde. Am 26. Januar 1873 wurde dann die BKB gegründet. Ein schwerer Einschnitt in der Geschichte des Unternehmens war die Grenzschließung 1952. Hierdurch ging u.a. das Kraftwerk Harbke, welches auf dem Territorium der DDR lag, verloren. Konsequenz dieser politischen Entwicklung war der Bau des Kraftwerks Offleben I. Hierbei gelang es, das Kraftwerk in nur zwei Jahren Planung und Bauzeit zu errichten (vgl. auch Abb. 4).
Abraum und Braunkohle wurden bis Ende 1991 mit dem Zug befördert (vgl. Abb. 2). Seit 1992 werden Bandanlagen für den Abraum- und Kohletransport eingesetzt, die aus z.T. 1,2 km langen Teilstücken bestehen. Im gesamten Revier sind inzwischen etwa 32 km Bandanlagen aufgebaut.
Abb. 2: Zug zur BraunkohlebeförderungMit der wirtschaftlichen Entwicklung der BKB sind auch die Mitarbeiterzahlen eng verbunden. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg von 300 im Jahre 1873 auf den Höchststand von 7.000 im Jahre 1950 und ist dann wieder auf 1.560 im Jahre 1998 gefallen. Derzeit sind ca. 1.000 Personen bei der BKB beschäftigt, wobei allerdings eine Reduktion der Mitarbeitzahl auf 600 angestrebt wird. Im Tagebau sind derzeit ca. 290 Mitarbeiter beschäftigt.
Die Lagerstätte reicht von Helmstedt bis Staßfurt und ist 4 bis 7 km breit. Bisher wurden insgesamt 2.500 ha Fläche in Anspruch genommen. Auf dieser Fläche gab es vor dem Tagebau nur vereinzelt Büsche und Ackerbau, so dass durch die Rekultivierung eine Aufwertung der Flächen erfolgt. Von der Gesamtfläche sind 1.100 ha Betriebsfläche und 1.400 ha bereits rekultiviert. Diese Fläche setzt sich aus 600 ha Landwirtschaftsfläche, 500 ha Forstwirtschaft und 300 ha sonstiger Nutzung (z.B. Wasser, Wege) zusammen.
Sofern neue Flächen für den Tagebau benötigt werden, werden diese von den Landwirten gekauft bzw. eingetauscht. Der Tausch wird i.d.R. von den Landwirten akzeptiert, weil sie im Verhältnis 1 : 1,3 neue Fläche erhalten.
Tagebau
Die BKB ist das kleinste Unternehmen in Deutschland das Braunkohle im Tagebau gewinnt. Die Helmstedter Braunkohle ist mit 40 Millionen Jahren die älteste in Deutschland. Dies schlägt sich auch im Heizwert nieder. Während die Braunkohle in den anderen Braunkohlerevieren (Rheinbraun, LAUBAG, MIBRAG) einen Heizwert von 7.800 bis 10.500 kJ/kg aufweist, verfügt die Helmstedter Braunkohle über einen Heizwert von 10.700 bis 11.500 kJ/kg. Neben dem hohen Heizwert weist die Helmstedter Braunkohle jedoch auch einen hohen Schwefelgehalt auf, welcher bei bei 2-3 Gew-% liegt, während er in den übrigen Revieren nur bei 0,15 - 0,5 Gew-% liegt.
Abgeteuft wird derzeit bis zu einer Tiefe von 120 m. Bis zu einer Tiefe von 150 m ist in Helmstedt ein wirtschaftlicher Abbau möglich. Die Kohle hat einen Alkaligehalte in der Asche von 2 bis 10 %. Das Kraftwerk fordert jedoch einen Durchschnittlichen Alkaligehalt von 4,5 %. Um diesen Wert zu erreichen wird die Kohle auf einer Halde vergleichmäßigt. Die Halde hat eine Kapazität von 220.000 t, womit das Kraftwerk, das 7.000 t Braunkohle am Tag verbraucht, ca. 30 Tage befeuert werden könnte. Die Abbildungen Abb. 3 und 4 zeigen den Tagebau mit den Kraftwerken Buschhaus und Offleben im Hintergrund.
Das Verhältnis von Abraum zu Kohle hat sich in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten deutlich verschlechtert, während es in den Anfangszeiten der BKB bei 0,5 : 1 lag, liegt es heute bei 4,8 : 1.
Abb. 3: Tagebau Schöningen mit Kraftwerk Buschhaus
Abb. 4: Tagebau Schöningen mit Kraftwerk OfflebenDer Tagebau Schöningen liegt in unmittelbare Nähe des Ortes Schöningen. Um Belästigungen der Bevölkerung zu reduzieren, werden beispielsweise bei längeren Trockenzeiten die Wege im Tagebau bewässert, um Staubbildung zu vermeiden. Beim Tagebau wird Winderosion durch Anspritzbegrünungen weitgehend verhindert.
Ein häufiges "Nebenprodukt" der Braunkohlegewinnung im Hauptflöz sind Findlinge. Gemäß § 46 Niedersächsisches Naturschutzgesetz (NNatschG) sind die Findlinge potenzielle Naturdenkmale: "Wer eine bisher unbekannte Naturschöpfung entdeckt, die als Naturdenkmal (§ 27) in Betracht kommt, insbesondere einen Findling mit mehr als 2 m Durchmesser oder eine Höhle, hat den Fund unverzüglich der Naturschutzbehörde oder der Gemeinde anzuzeigen." Nach einer Begutachtung werden die "normalen" Findlinge von einer Tochtergesellschaft der BKB zu einem Preis von 100 €/ t verkauft (vgl. Abb. 5 und 6).
Abb. 5: Findlinge am Aussichtspunkt
Abb. 6: Tertiärquarzit-FindlingDer Abbau der Braunkohle erfolgt mit Schaufelradbaggern. Während die Bagger früher lediglich eine Höhe von 9,5 m und eine Leistung von 5.000 m³ (ca. 500 Lkw) hatten (vgl. Abb. 7 und 8), verfügen die neuen Schaufelradbagger bei einer Höhe von 45 m über eine Förderleistung von 33.000 bis 36.000 m³ Abraum am Tag (vgl. Abb. 9).
Abb. 8: Technische Daten eines alten Schaufelradbaggers
Abb. 9: Schaufelradbagger beim Tagebau
Rekultivierung
Entsprechend Bundesberggesetz sind ausgekohlte Tagebaubereiche einer Folgenutzung zuzuführen. Dazu sind der Bergbehörde Abschlussbetriebspläne (vgl. § 53 Bundesberggesetz) vorzulegen. Gemäß Abschlussbetriebsplan ist für den ehemaligen Tagebau Treue eine Rekultivierung mit Landwirtschafts-, Forst- und Biotopflächen geplant.
Für die ausgekohlten Tagebaue Helmstedt und Schöningen Südfeld ist eine Folgenutzung als Restsee geplant.
Die Seen werden über das Grundwasser in ca. 60 – 80 Jahren voll laufen. Ein Zufluss aus dem Mittellandkanal und der Elbe ist aufgrund der Entfernung und aus Kostengründen nicht geplant.
Früher wurden 40.000 DM (20.452 €) je Hektar als Rücklage für die Rekultivierung eingestellt. Auf Intervention des Finanzamtes wurde dieser Betrag auf 10.700 € je Hektar reduziert. Dies führte dazu, dass die früher übliche Beerdung, mit dem Ziel einen anspruchsvollen Wirtschaftswald zu errichten, nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte. Hinzu kommt, das der auf den vorhandenen Mieten lagernde Oberboden nur für ca. ein Viertel der zu rekultivierenden Fläche reichen würde.
Früher wurde der Boden zunächst durch diverse Maßnahmen vorbereitet (z.B. Aufkalkung, Düngung, Pflanzdecke, Tiefenlockerung) und dann bepflanzt. Ziel war ein anspruchsvoller Wald aus Eiche, Buche, Ahorn und Esche. Durch die fehlende Beerdung wird derzeit nur ein anspruchsloser Wald erreicht, der aus Pappeln, Aspen, Erlen, Kiefern und Douglasien besteht. Der anspruchslose Wald genügt aufgrund seines Artenreichtums jedoch den Erholungsansprüchen der Bevölkerung, lediglich für eine Holzproduktion ist er nicht mehr ausreichend.
Beim Tagebau Wulfersdorf wurden in den letzten Jahren 175 ha (anspruchsvoller) Wald angelegt (vgl. Abb. 10 und 11), die (trotzdem sie rechtlich noch unter der Bergaufsicht stehen) bereits als Erholungsgebiet von der ansässigen Bevölkerung genutzt werden. Dieser Wald besteht z.Z. noch zu ca. einem Drittel aus Nadelgehölzen.
Abb. 11: Rekultivierte Fläche des Tagebau WulfersdorfDer neuangelegte Wald ist lange Zeit sehr pflegeintensiv. Eine Maßnahme zur Pflege des Waldes ist das "ringeln". Hierbei wird der Baumwuchs zum Stocken gebracht, so dass kleinere Bäume die Möglichkeit haben nachzuwachsen. Gleichzeitig steht durch die abgestorbenen Bäume auch für Spechte Nahrung zur Verfügung.
Eine weitere Pflegemaßnahme ist das schlagen von Schneisen. Alle 20 Meter wird eine vier Meter breite Schneise in den Wald geschlagen, damit die Bäume die Möglichkeit haben, sich auszubreiten und so standfester werden. Hierdurch werden die Bestände stabilisiert.
Der Erfolg dieser und anderer Maßnahmen lässt sich auch am Tierbestand ablesen. Im Wald habe sich bereits selten Tiere, wie eine Beutelmeisenkolonie, angesiedelt.
Sofern statt einer forstlichen eine landwirtschaftliche Nutzung geplant ist, wird eine bis zu 1 Meter mächtige Lößschicht aufgebracht. Hierdurch lassen sich gute landwirtschaftliche Erträge (Bodenwertzahlen von 60 bis 80) erzielen.
Ausblick
Da wir aus Zeitgründen weder direkt in den laufenden Tagebau hinunter steigen konnten, noch die sicher interessanten archäologischen Grabungsstätten besichtigen konnten, haben wir am Ende der Führung beschlossen, dies möglichst im Herbst 2002 nach zu holen.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass der Besuch des Tagebaus in Schöningen wieder mal eine interessante Exkursion war, wozu sicher auch die freundliche Aufnahme und die fachkundige Führung durch die Herren Schober und Alpers beigetragen haben.
Nützliche Links zum Thema:
Rekultivierung im Braunkohletagebau – Fallbeispiel Niederlausitzer Bergbaufolgelandschaft (PDF 270 kb)
(von Reinhard F. Hüttl)
Arbeitskreis Umwelttechnik Arbeitskreisleiter: Dr.-Ing. Frank Schröter Kontaktadresse: St.-Wendel-Str. 4
38116 BraunschweigTelefon:
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