|
|
Stand: 27. Juni 2006 | |
![]() |
Biologische Abluftbehandlung der Pianofortefabrik Schimmel in Braunschweig
|
|
Gliederung:
Am Donnerstag, den 22. Juni 2006 besichtigten die Mitglieder des Arbeitskreises Umwelttechnik des VDI Bezirksvereins Braunschweig (vgl. Abb. 1) die Pianofortefabrik Schimmel. Schimmel gehört zu dem kleinen Kreis der Pianofortehersteller mit über 100-jähriger Tradition, in denen die Kunst des Baus klassischer Flügel und Pianos noch immer von den Mitgliedern der Gründerfamilie gepflegt wird. Ein Beispiel ist der transparente Schimmel Flügel (Glasflügel, vgl. Abb. 1). Herr Zipp von der Pianofortefabrik Schimmel und Frau Hübner von der Braunschweiger Umwelt-Biotechnologie GmbH hatten die Aufgabe übernommen, uns zu informieren und uns die Fabrik zu zeigen.
Abb. 1: Die Teilnehmer der Exkursion Abb. 2: Gläserner Flügel
Die Pianofortefabrik Schimmel bietet Ihre Produkte mit einer ganzen Palette verschiedener Holzarten, Oberflächen und Farbnuancen an (vgl. http://www.schimmel-piano.de/pflege.html). Allerdings ergeben nur paraffinhaltige Polyesterlacke die notwendigen Schichten mit hohem tiefen Glanz für die Schwarzlackierung. Diese Lacke enthalten besitzen jedoch einen Styrolanteil, der zu erheblichen Geruchsbelästigungen führen kann. Dies war ein Grund, warum die Pianofortefabrik Schimmel aus dem so genannten Schimmel-Hof, der inmitten von Wohnbebauung liegt, in ein reines Gewerbegebiet gezogen ist. Allerdings wurden dort wenig später in rd. 60 m Entfernung ebenfalls Wohnhäuser errichtet (vgl. auch Abb. 5). Beschwerden der Anwohner führten dann zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Abluftreinigung.
Nach einem ausführlichen Vergleich der unterschiedlichen Reinigungsmöglichkeiten und Laborversuchen entschied man sich für die biologische Abluftreinigung mit Hilfe einer Biofilteranlage. Der grundsätzliche Aufbau einer Biofilteranlage ist in Abb. 3 dargestellt. Im konkreten Fall besteht die Filterschicht aus 2 m gerissenem Wurzelholz, gefolgt von 1,5 m Rindenmulch und -humus. Aus Gründen der Platzersparnis ist der Biofilter auf dem Dach der Produktionsanlage angeordnet (vgl. Abb. 4).
Abb. 3: Beispielhafte Darstellung von Biofilteranlagen
(Quelle: VDI-Richtlinie 3477 - "Biologische Abluftreinigung, Biofilter", Dez. 1991)Abb. 4: Biofilter auf dem Dach Im Zusammenhang mit der Reduzierung der Lösemittelemissionen hatte man auch die gesamten Kamine vereinigt, um Abluft in einem einzigen Auslass durch die Biofilteranlage zu führen. Die Abluft wird auf dem Dach gesammelt, in einen separaten Raum der Produktionshalle geleitet und dann dem Biofilter mit Hilfe eines Gebläses zugeführt (die Leitungen sind in Abb. 4 vor dem Biofilter erkennbar). Der Biofilter auf dem Dach der Produktionsanlage kann nur über einen Laufsteg auf dem Dach erreicht werden (vgl. Abb. 5 und 6).
Abb. 5: Exkursionsteilnehmer auf dem Weg zum Biofilter Abb. 6: Aufstieg zum Biofilter Die oberste Schicht des Biofilters besteht aus Rindenmulch und -humus (vgl. Abb. 7 bis 9) und ist prinzipiell begehbar.
Abb. 7: Herr Zipp im BiofilterIm Biofilter werden mit Hilfe von Sensoren Temperatur und Feuchte überwacht, um die Lebensbedingungen der Mikroorganismen ggf. optimieren zu können (vgl. Abb. 8 und 9).
Abb. 8: Messsensoren im Biofilter Abb. 9: Messsensoren (Detail)
Abb. 10: Exkursionsteilnehmer auf dem Rückweg vom Biofilter
Im Anschluss an die Besichtigung erläuterte uns Frau Hübner (Braunschweiger Umwelt-Biotechnologie GmbH) in einem sehr interessanten Vortrag noch einige Aspekte zur grundsätzlichen Vorgehensweise bei Geruchsproblemen, den Einsatzmöglichkeiten von Biofiltern und zur Geruchsmessung.
Obwohl das Geruchsempfinden individuell geprägt ist, kann eine Messung und objektive Beurteilung erfolgen. Hierbei wird zunächst nach folgenden Kriterien unterschieden:
- Geruchs-Art (faulig, süßlich, "faule-Eier"-Geruch)
- Geruchs-Intensität (schwach oder stark wahrnehmbar)
- Hedonik (angenehm oder unangenehm bis hin zu ekelig)
Die Geruchsstoff-Konzentration kann dann durch ein Kollektiv von Prüfern an einem so genannten "Olfaktometer" sensorisch geprüft werden.
Detaillierte Informationen können dem Artikel "Geruch-Messung und Beseitigung" von Frau Hübner entnommen werden, der im Juni 2004 im BIOGAS Journal erschienen ist (Geruch-Messung und Beseitigung, PDF-Datei 2,2 MB).
Schlussbemerkung
Zum Schluss bleibt festzuhalten, dass wir einen sehr interessanten Eindruck von den Produktionsbedingungen in der Pianofortefabrik Schimmel bekommen haben und viel über die z. T. aufwendige Herstellung von Konzertflügeln erfahren konnten. Hierbei wurden uns Details zu den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter erläutert, wie auch zur biologischen Abluftreinigung und somit den Wohnbedingungen der angrenzenden Bevölkerung. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Herrn Zipp und Frau Hübner, die uns umfassend informiert und alle unsere Fragen beantwortet haben.
Anmerkung:
Alle Fotos: Dr. Frank Schröter
Nützliche Links zum Thema:
Geruch-Messung und Beseitigung
Biogas-Journal Heft Nr.1, 6/2004, PDF-Datei 2,2 MBFunktionsprinzip von Biowäscher und Biofilter
Entsorgungspraxis, Heft 5, Mai 2000, PDF-Datei 2,5 MB
Arbeitskreis Umwelttechnik Arbeitskreisleiter: Dr.-Ing. Frank Schröter Kontaktadresse: St.-Wendel-Str. 4
38116 BraunschweigTelefon:
Email:0531 / 391 - 7929
f.schroeter@tu-bs.de![]()