Stand: 12. Dezember 2003
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Sortierung von Leichtverpackungen
SORTEChnology 3.0

Exkursionsbericht des VDI AK Umwelttechnik
des VDI-Bezirksvereins Braunschweig

Dr.-Ing. Frank Schröter, VDI

 

 

Gliederung:

Einleitung

Trockenmechanische Vorsortierung

Nassmechanische Aufbereitung

Kunststoffveredelung

Schlussbemerkung

 

 

Einleitung

Am Freitag, dem 20. September 2002 besichtigten die Mitglieder des Arbeitskreises Umwelttechnik des VDI Bezirksvereins Braunschweig die vollautomatische Sortieranlage SORTEChnologie 3.0 in Hannover-Anderten. Herr Heier von der Gesellschaft für Systemtechnologie erklärte sich freundlicherweise bereit unsere Gruppe zu führen und uns die Funktionsweise der Anlage zu erläutern (vgl. Abb. 1). Die Gesellschaft für Systemtechnologie (SYSTEC) ist eine 100%ige Tochter des "Grünen Punktes" (Duales System Deutschland).


Abb. 1:
Funktionsweise der SORTEChnologie 3.0 (Quelle: Werbeprospekt der SYSTEC, 1999)

Obwohl die Anlage im Jahr 2000 zur EXPO fertiggestellt wurde, konnte sie erst 2001 den regulären Betrieb aufnehmen, da während der EXPO im Durchschnitt täglich fünf Besuchergruppen durch die Anlage geführt werden mussten. Derzeit wird die Anlage 24 Stunden täglich, im 3-Schichtbetrieb gefahren. Sonntags werden Wartungsarbeiten durchgeführt.

In der SORTEChnologie 3.0 wird der Inhalt der gelben (Wertstoff)Säcke sortiert, der im wesentlichen aus Leichtverpackungen besteht bzw. bestehen sollte. Glas und Papier sind beispielsweise Störstoffe für die Anlage. Die Anlage bekommt die gelben Säcke von den 1,1 Millionen Einwohnern der Region Hannover.

Für die Sortierung wird ein Zielwert von 95 % angestrebt. Derzeit liegt der Anteil der Reststoffe (Holz, Textilien und Steine) bei 18,5 %. Die Sortierergebnisse schwanken in Abhängigkeit von den angelieferten gelben Säcken. Bei gelben Säcken aus Großstädten über 500.000 Einwohnern werden nur schlechte Sortierergebnisse erzielt. Hier sind bis zu 40 % Sortierreste zu verzeichnen. Ab 50 % Sortierresten ist der gelbe Sack mit dem Inhalt der normalen schwarzen Mülltonne zu vergleichen. Die Anteile der einzelnen Sekundärrohstoffe am Sortierergebnis können Abbildung 2 entnommen werden.


Abb. 2:
Sortierergebnis der SORTEChnologie 3.0 (Quelle: eigene Darstellung nach Werbeprospekt der SYSTEC, 1999)

Die SORTEChnologie 3.0 kann 25.000 t Leichtverpackungen pro Jahr sortieren. Bezogen auf die in der Bundesrepublik anfallende Menge Leichtverpackungen wären lediglich 80 solcher Anlagen notwendig. Derzeit existieren in der Bundesrepublik ca. 200 Anlagen zur Müllsortierung, die geringere Kapazitäten haben und häufig nur Teilsortierungen vornehmen.

Seit der Inbetriebnahme wurde die Anlage gegenüber dem in Abbildung 1 wiedergegebenen Fliessschema mehrfach verändert, insbesondere in den Stufen 2 (Nassmechanische Aufbereitung) und 3 (Kunststoffveredelung). So wurde beispielsweise für Polystyrol (PS) eine neue Sortierung installiert.

 

Trockenmechanische Vorsortierung

In der trockenmechanischen Vorsortierung erfolgt zunächst eine Trennung in Leicht- und Schwerfraktion. Die Leichtfraktion wird in der Stufe 2 weiterbearbeitet. Bei der Schwerfraktion werden Weißbleche und Getränkekartons aussortiert. Die PET-Fraktion wird nachsortiert. Es erfolgt eine Trennung in Flaschen und Nicht-Flaschen. Papier wird aussortiert.

 

Nassmechanische Aufbereitung

In den Pulpern (große Wasserbecken) sind große Rotoren, durch die die Verbundmaterialien in ihre Bestandteile (z.B. Kunststoffe und Aluminium) gelöst werden. Im nächsten Verfahrensschritt werden die Leichtverpackungen geduscht, um die Etiketten abzulösen und Verunreinigungen zu beseitigen (Reinigung). Für den Inhalt eines gelben Sackes wird in der Anlage nur ca. 1 Liter Wasser benötigt. Aus diesem Grund ist es aus ökologischer Sicht auch nicht sinnvoll den Verpackungsmüll bereits im privaten Haushalt zu waschen.

Die nach dem Waschvorgang im Wasser gelösten Papierfasern werden abgetrennt. Nach der Filterung wird die Masse an die Papierindustrie abgegeben. Aufgrund der geringen Qualität dieses Sekundärrohstoffs erfolgt die Abgabe kostenlos.

 

Kunststoffveredelung

In dieser Stufe ist das Polyethylen (PE) von den Folien noch in der Verpackungsmenge. Durch das in dieser Prozessstufe durchgeführte Shreddern und Trennen der Stoffe können Aluminium-Kunststofffolien-Verbunde, PE, PS und eine Polyolefinfraktion weitgehend sortenrein zurückgewonnen werden. Das entstandene PE-Granulat wird an die Kunststoffindustrie verkauft und zur Herstellung von Kunststoffprodukten verwendet. So werden beispielsweise mit einem Anteil von 47 % PE-Granulat Kunststoffmülltonnen hergestellt. Der Anteil des Sekundärrohstoffes am Endprodukt ergibt sich dabei im wesentlichen aus den Qualitätsanforderungen des Produktes (z.B. Haltbarkeit, Beanspruchung).

Außerdem wird noch PE-Agglomerat hergestellt. Das Agglomerat wird zur Herstellung von gröberen Produkten verwendet. So werden beispielsweise in Belgien aus dem PE-Agglomerat Pferdeställe hergestellt. Die Plastikpferdeställe haben gegenüber den Holzställen den Vorteil, das die Pferde das Material nicht mehr annagen.

Die Außensilos, die bei Inbetriebnahme der Anlage noch zur Zwischenlagerung der aufbereiteten Kunststoffe genutzt wurden, sind in der Zwischenzeit abgeschafft worden. Durch die Feuchtigkeit sind die Kunststoffe zusammengeklumpt, so dass die Abfuhr mit den Lkw nur im Sommer funktioniert hat. Das Material wird jetzt direkt in der Anlage für den Transport vorbereitet.

Außer den Reststoffen (und den Papierfasern) werden alle aussortierten Stoffe verkauft. Es bestehen keine Absatzschwierigkeiten für die Sekundärrohstoffe. Die Kunststoffe werden sogar im stärkeren Maße nachgefragt, wie sie von der Anlage geliefert werden können.

 

Schlussbemerkung

Insgesamt kann festgehalten werden, dass der Besuch Sortieranlage SORTEChnologie 3.0 wieder mal eine interessante Exkursion war, wozu sicher auch die freundliche Aufnahme durch die SYSTEC und die fachkundigen Erläuterungen von Herrn Heier beigetragen haben.

 

Nützliche Links zum Thema:

 

 

 

 

 

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